Verein zur Förderung verhaltensauffälliger und sozial benachteiligter Jugendlicher und deren Familien e.V.

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Ungarn

Diese Fahrt konnte mit Hilfe des Diakonischen Werks durchgeführt werden.

Vorbereitungsphase

Die Idee für die Durchführung nationaler und internationaler Workcamps für Jugendliche entstand auf Grund vieler Gespräche zwischen Lehrern verschiedener Förderschulen im Einzugsgebiet Meißen und Mitgliedern des Vereins, die in ähnlichen Berufszweigen arbeiten. Dabei gingen wir davon aus, dass unserer Meinung nach ein großer Teil von Jugendlichen rechtsorientiertem Gedankengut und Fremdenfeindlichkeit sehr aufgeschlossen gegenüber stehen und dieses auch zum Teil sehr massiv leben. Parallel dazu bestehen häufig starke soziale Defizite.

Die Idee bestand darin, mit einigen dieser Jugendlichen in einem europäischen Gastland die Gelegenheit zu nutzen, um dort gemeinsam mit anderen Jugendlichen in einer sozialen Einrichtung zu arbeiten und die Freizeit zu gestalten. Mit diesem inhaltlichen, erlebnispädagogische Ansatz hatten wir uns folgende Ziele gesetzt:

-         Schulung des Sozialverhaltens
-         Akzeptanz gegenüber Ausländern
-         Entwicklung von Konfliktlösungskompetenzen

Bereits bei unserem ersten Treffen mit den Jugendlichen zeigten sich die unterschiedlichsten Motivationen, an dieser Fahrt teilzunehmen. Einige der Jugendlichen kannten sich bereits aus dem Freizeitbereich, so dass die Phase des sich kennen lernen verbunden mit verschiedenen Spielen zu diesem Zeitpunkt weniger intensiv erlebt wurde. Mit Hilfe unterschiedlicher Methoden versuchten wir, eine gemeinsame Basis zu finden und die Jugendlichen auch für den Bereich, in dem zusammen mit anderen ungarischen Jugendlichen gearbeitet werden sollte zu sensibilisieren und zu motivieren.

Durchführungsphase 14.07.01-29.07.01

Wir konnten vor Ort einen Leiter eines Zeltplatzes finden, der unser Vorhaben, praktisch dort tätig zu werden, unterstützte. Leider trat er von dieser Zusage zurück, da wir aufgrund des schlechten Wetters nicht in den Außenanlagen arbeiten durften. Mehrere Tage Dauerregen und Sturm vernichteten diese Idee und ließen zusätzlich eine zum Teil schwierige Situation in der Gruppe entstehen. Das Erleben neuer Eindrücke, die Motivation zur praktischen Tätigkeit und die fast tägliche kurzfristige Absage verbunden mit dem schlechten Wetter hinterließen eine anfangs schwierige Gruppenatmosphäre. Mittels bewusst gestalteten Situationen, Spielen und Gruppenrunden konnte dies bewältigt werden.

 

Aufgrund der hohen Übernachtungskosten versuchten wir die Reisekosten niedrig zu halten. Wir unternahmen vorwiegend Wanderungen in die nähere Umgebung. Wir besichtigten mehrere Städte, Kirchen, besuchten ein Orgelkonzert und schafften so die Möglichkeit, die Kultur des Landes kennen zu lernen.

Während dieser Veranstaltungen gelang es intensive Gespräche zu führen. In alltäglichen Situationen konnten verschiedene Verhaltensweisen gemeinsam mit einzelnen Jugendlichen reflektiert werden und vor allem einige wenige Wissenslücken geschlossen werden. So war zum Beispiel ein Jugendlicher sehr erstaunt dass Ungarn nicht zu Deutschland gehört. Voran gegangen war eine Diskussion darüber, dass wir Gäste in diesem Land sind und wir bestimmte Normen auch hier einzuhalten haben.

Aussagen wie Deutschland muss sich vergrößern und ähnliche Aussagen erforderten ein intensives Maß an Auseinandersetzung und der Argumentation mit Fakten und Wissen.

Einige Jugendliche ließen sich auf diese Diskussionen gut ein. In anderen Situationen überwogen eher die Auseinandersetzung mit massiven Auffälligkeiten im Verhaltensbereich.

Aufgrund einiger schwieriger Situationen innerhalb der Gruppe entschieden wir uns, eher die Rückreise anzutreten und diese mit dem Besuch der Mahn- und Gedenkstätte Terezin zu verbinden.

Während der gesamten Zeit gab es bis dahin mehrere Situationen, in denen ein Jugendlicher mit seinen Verhaltensauffälligkeiten die gesamte Gruppenatmosphäre äußerst stark belastete. Es blieb nicht nur bei verbalen Auseinandersetzungen. Mehrere Versuche, massive körperliche Gewalt gegenüber Jugendliche und Erwachsenen anzuwenden, konnten verhindert werden. Diese Problematik verbunden mit dem Wissen, dass der Besuch in Terezin noch bevor stand, aber auch die sehr starke Forderung der anderen Jugendlichen, diesen Jugendlichen auszuschließen von einzelnen Unternehmungen und die kein Verständnis mehr für dieses Verhalten hatten, veranlassten uns, diesen Jugendlichen eher nach Hause zu schicken.

Der Besuch der Mahn- und Gedenkstätte gestaltete sich trotz aller Vorbereitung sehr anstrengend. Große Wissenslücken um die Geschehnisse der Zeit 1933-1945 und damit verbundenen vielen Fragen, aber auch emotionale Betroffenheit einiger Jugendlicher erforderten ein hohes Maß an Konzentration und Einfühlungsvermögen.

Während des Abschlussabends schätzten alle die Freizeitfahrt als gelungen aber auch sehr anstrengend ein. Nach Aussagen der Jugendlichen wurden vor allem die unterschiedlichen Verhaltensauffälligkeiten und die entstandenen Konflikte und deren Lösung als Anstrengung empfunden.

Boot Lucia Zinnwald Ungarn Lichtentanne Kamin Hartau

                         

  Anregungen und Kritik an: info@europaeische -jugendarbeit.org                                 Letzte Aktualisierung: 19.01.06